1st There Was The Beat DVD
Verfasst von Andi am Sonntag, 25. Mai 2008 um 13:56
Releasedate: 02.05.2008, Rough Trade
2008 scheint das Jahr der DVD-Releases zu sein. Neben den üblichen Konzert-Mitschnitten wie Bushidos „7“-Tour-DVD erscheinen zudem demnächst die Silberlinge der Chartstürmer K.I.Z. und Kool Savas. Neben dieser Gattung der HipHop-DVD erscheinen 2008 außerdem eine Vielzahl an interessanten Dokumentationen, etwa der zweite Teil von „Rap City Berlin“ oder die Engin Altinova-Doku „In The Lab“. Das wahrscheinlich interessanteste Konzept weist allerdings „1st There Was The Beat“ auf, eine Produktion der El Magico-Jungs. Diese Dokumentation beschäftigt sich nicht mit den Rappern die im Vordergrund stehen, sondern wirft einen Blick hinter die Kulissen. „1st There Was The Beat“ ist allen Produzenten, Beatbastlern und Hitlieferanten gewidmet, die hinter der Musik stecken und diese erst zu dem machen, was sie überhaupt ist. Film ab für „1st There Was The Beat“.
Auf der DVD kommen fast alle wichtigen Produzenten dieses Landes zu Wort, egal ob Newcomer wie Sinch und Beatgees, Chartstürmer wie m3 & Noyd und Tai Jason oder arrivierte Größen wie Martin Stieber und Sleepwalker. Sie alle wurden in ihrer natürlichen Arbeitswelt – den Studios – besucht und plaudern über die verschiedensten Inhalte zum Thema „Hip-Hop-Produktion“, zum Beispiel über den Gegensatz Analog-Digital, den Unterschied zu ausländischen Produktionen und vieles mehr. Im Zuge dieser einzelnen Kapitel werden eine Menge an lustiger Geschichten und eigenwilliger Eigenheiten publik. Die Instrumens etwa benennen jeden Beat nach einer Frau und haben sich dafür sogar ein Wörterbuch mit weiblichen Vornamen zugelegt. Ebenfalls unterhaltend sind Sleepwalkers Reminiszenzen an seine frühen Tage, in denen seine Leidenschaft für den Wu Tang-Clan scheinbar fanatische Züge annahm. Auch Joe Rillas Äußerungen über Schlagermusik sorgen für den einen oder anderen Schmunzler. Nicht nur bei gerade diesem Gespräch wird einem des öfteren bewusst, dass man es bei der Produzenten-Elite Deutschlands nicht mit komischen Computer-Freaks zu tun hat, sondern allesamt interessante Charaktere aufweisen. Vor allem der vorhin angesprochene „stolze Ostler“ beweist durch die ehrlichen Einblicke in sein Privatleben, welch faszinierende Person der Plattenbau Ost-Chef doch ist.
Neben den Stellungnahmen der Künstler zeichnet sich der Inhalt von „1st There Was The Beat“ durch Beschreibungen des Produktionsablaufes aus. DJ Desue und Co. gewähren dem Zuschauer erstaunliche Einblicke in ihre Arbeitsweise. Spätestens hier wird einem bewusst, wie viel Arbeit und Detailliebe hinter einem Monsterbrett stecken. Ein Sample gepaart mit einem Drumloop reicht heute nicht mehr aus um einen Klassiker zu produzieren. Auch die Ausstattung der Studios ist eine Attraktion an sich: man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Geräte bei einem scheinbar herkömmlichen Instrumental benutzt werden. Über den Preis einer solchen Einrichtung will man am besten gar nicht anfangen nachzudenken.
Bei der Studiovorstellung passiert auch eine der lustigsten Szenen der DVD: Als Martin Stieber mit seinem gewohnt charmanten Dialekt seinen alten Sampler präsentiert, bemerkt er plötzlich, dass noch immer ein Sample der „Fenster zum Hof“-LP von 1996 auf dem Gerät gespeichert ist…
Das Team von El Magico hat mit „1st There Was The Beat“ ein schönes Produkt abgeliefert. Die DVD stellt die gesamte Produzenten-Riege Deutschlands gekonnt in den Mittelpunkt und gewährt höchst interessante Einblicke in die Welt der HipHop-Produzenten. Bei einer möglichen Fortsetzung wären mehr Beatbastel-Beispiele wünschenswert, genaus so wie eine attraktivere Gestaltung um gewisse Längen zu verhindern. Alles in allem kann man bei „1st There Was The Beat“ getrost eine Kaufempfehlung aussprechen.
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Kategorie: Reviews
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