Blaze – Schocktherapie

Verfasst von Lance1 am Freitag, 13. März 2009 um 14:36

b-s-front Releasedate: 22.08.2008, Echte Musik / Intergroove

2008 wollte die schubladengierige Journaille umsverrecken ein neues Subgenre im Rap verorten, wie’s schien. „Strassenrap mit Technik“ nannte sich dieses Unding mit einem Namen straight outta Sensationsjournalismus. Denn: wer hatte eigentlich jemals die hirnlose Idee, dass irgendein Rap keine Technik braucht? Das soll jetzt nicht oben stehenden Terminus hinterfragen, sondern diese sich schleichend durchsetzende Meinung, dass ein sog. „Strassenrapper“ keine Technik zu haben braucht, da es ihm ja um die Message geht. Wenn dann talentfreie Fantasiefiguren wie Massiv und ähnliches Gesocks gute Wertungen kassieren, darf man sich schon fragen. Dem Frankfurter Blaze dürfte diese Technikstrassenrapperbezeichnung bei seinem im August 2008 erschienenen Debüt sicher auch nachgesagt worden sein. Und beim ersten oder nicht genaueren Durchhören scheint sich dies auch zu bewahrheiten. Aber hier solltet ihr gut hinhören, sonst verpasst ihr eine wirklich dicke Platte. Zwar finden sich einige Plattitüden und Kinderkrankheiten wie Jeezy-Adlibs oder Standardgelaber vor und nach den Tracks über das Album verteilt, aber Blaze schafft den schmalen Grat zwischen nicht geniessbarem Ghettogesülz und ehrlichem Strassensoul meistens. Hohle Phrasendrescherei a la „Ichundmeineboyssinddiekings“ oder Messerstecherrap gibt’s hier nicht, sondern amtliche Clubmucke und tiefergehende Dinger, die die Bezeichnung auch verdienen ohne depressiv zu werden. Bei denen droppt Blaze des Öfteren wirklich gute Ansagen, die zum Nachdenken verleiten und einen eigentlich zufriedenen, richtig sympathischen Kerl zum Vorschein bringen, was im angesprochenen Genre ja weissgott äusserst selten zu finden ist. Verpackt ist das Ganze in eine unaufdringliche Raptechnik, die beim Flow und manchen Reimen zeigen, was in dem Jungen steckt. Wahrscheinlich könnte er die krassesten Sechzehner reimen, was hier aber eindeutig fehl am Platz wäre. Und nicht zuletzt hat er ein sehr gutes Feeling für ohrwurmende Singsang-Hooks, die Labelboss Jonesmann gar nicht erst nötig machen. Dazu gibt’s gute bis dickste Beats von grösstenteils Wunderkind Lex Barkey, PhreQuincy und einigen weniger bekannten Producern, die das eigentliche Grundgerüst für die hohe Qualität des Albums bilden. Alles in allem ein sehr rundes, dopes Album mit wenigen Schwachstellen, dass der aufgeschlossene Raphörer in Zweineun gehört haben muss.

5 / 6

Tracklist:
01. Intro (prod. by JamalBeatz)
02. Lass ihn Raushängen (prod. by Lex Barkey)
03. Kennst du des auch feat. She-Raw (prod. by JamalBeatz)
04. Christina (prod. by Lex Barkey)
05. Hier und Hustle (prod. by Phrequincy)
06. Rock n‘ Roll (prod. by Lex Barkey)
07. Horizont feat. Jonesmann (prod. by RawUncut)
08. Kein Einzelfall (Interlude) (prod. by Lex Barkey)
09. Kein Einzelfall (prod. by Lex Barkey)
10. Moderne Frau feat. C.J Taylor (prod. by Lex Barkey)
11. Schocktherapie (prod. by Lex Barkey)
12. Mein Leben (prod. by Lex Barkey)
13. Hand aufs Herz feat. Manuellsen (prod. by Lex Barkey)
14. Mach Money (prod. by Lex Barkey)
15. Flieg mit mir (prod. by Bounce Brothas)
16. Danke (All meine Liebe) feat. Jonesmann (prod. by RawUncut)
17. Ich verdien‘ meins (prod. by Lex Barkey)
18. Was wär ich (Outro) (prod. by Phrequincy)
19. Against The Wall feat. Petey Pablo (Bonus Track) (prod. by Lex Barkey & G-Code)
20. Das ist Frankfurt (Bonus Track) (prod. by Lex Barkey)

www.myspace.com/blaze069

Kommentare (1)

Kategorie: Reviews

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1 Kommentar

Pingback by RapBlog.ch – Your Rap Music Webzine » Blaze – 138 Minuten vor Karma

Made Mittwoch, 26 of August , 2009 at 17:21

[…] 25. September erscheint Blaze’ zweites Soloalbum nach der “Schocktherapie“. Das hier ist der Hiphop.de-exklusive Teaser in Form eines Mixes von 37 älteren und teils […]

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